Boom beim Möbel-Onlinemarkt

Um über 50 Prozent jährlich legte der E-Commerce-Umsatz mit Möbeln in den letzten zwei Jahren zu. Jeder vierte Internet-Nutzer hat bereits Möbel online gekauft, nur 15 Prozent können sich einen Möbelkauf im Netz nicht vorstellen.
Vorbei also die Zeiten, in denen es hieß: „Möbel muss man anfassen und ausprobieren, bevor man sie kauft.“ Die Kunden schätzen am Online-Möbelkauf vor allem die große Auswahl, die Filtermöglichkeiten sowie die schnelle Lieferung. Ganze Wohnlandschaften werden durch die Republik gekarrt, vor Ort aufgebaut und auch problemlos wieder zurückgenommen. Das allerdings ist selten nötig: Die Retourenquote der meisten Online-Versender von Möbeln liegt zwischen drei und zehn Prozent.

Die wichtigsten Player auf dem Möbelmarkt sind: Ikea Deutschland und Home24. Fast 190 Millionen Euro setzten die Schweden im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 im Netz um – Peanuts für den Möbelriesen mit einem deutschen Gesamtumsatz von 4,4 Milliarden Euro. Dennoch: Der Online-Anteil wuchs um über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was umso erstaunlicher ist, als Ikea im Netz weiterhin mit angezogener Handbremse fährt: Die berühmt-berüchtigten Kleinteile aus den SB-Hallen, mit denen Ikea rund 40 Prozent seines Umsatzes macht, können im Online-Shop nicht bestellt werden, nur die Verfügbarkeit in der Filiale lässt sich prüfen. Die Teile, die verschickt werden, kommen nur mittels ungewöhnlich hoher Versandkosten zum Kunden. Sogar für Click & Collect fallen unverschämt hohe Gebühren an. Ikea macht es seinen Online-Kunden derzeit so schwer wie möglich, um sie auf die Fläche zu drängen.

Gutes Suchmaschinenmarketing zeichnet auch die Player auf dem deutschen Online-Möbelmarkt aus, mit denen vor zwei Jahren noch kaum jemand aus der Branche gerechnet hatte: die Angreifer aus dem Ausland. Wayfair, Houzz.com und 99chairs aus den USA drängen seit Kurzem auf den deutschen Markt.

Während der Gesamtumsatz bei Möbeln seit Jahren stagniert, vergrößern Höffner, Segmüller, XXXLutz und Konsorten ihre Flächen auf der grünen Wiese. 2015 werden die deutschen Möbelhäuser über sechs Millionen Quadratmeter füllen, in den nächsten zwei Jahren werden wohl weitere 685.000 Quadratmeter dazukommen, schätzt das Branchenmagazin „moebelkultur“. Gleichzeitig sinkt die Profitabilität auf der Fläche von Jahr zu Jahr – weshalb sich die großen Ketten mit immer irrwitzigeren Rabattschlachten und Events gegenseitig überbieten, um die Kunden weiterhin in ihre Häuser zu locken. Online dagegen herrscht große Uneinigkeit über die richtige Strategie: Da gibt es auf der einen Seite durchaus überzeugende Multichannel-Konzepte wie die von XXXLutz, Butlers oder Poco, andere Unternehmen versuchen sich mit einer eigenen Online-Marke. Mit dem Online-Shop Daheim.de, der die Verbindung zur Mutter nur sehr versteckt eingesteht, tritt beispielsweise Segmüller auf, vor allem, um online der typischen „Rabattitis“, ohne die im stationären Möbelgeschäft fast nichts mehr verkauft werden kann, zu entgehen. Bisher bleiben die meisten Online-Ansätze der Stationär-Player aber oft halbherzig. Lieber, so scheint es, bläst man noch eine Hüpfburg auf dem Parkplatz auf, anstatt sich auf E-Commerce einzulassen.

Quelle: Internet World

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